IASB Amendments to IFRS 17 Insurance Contracts

Aktueller Stand

Seit Veröffentlichung von IFRS 17 Insurance Contracts (Versicherungsverträge) am 18. Mai 2017 hat der IASB sich intensiv mit Zweifelsfragen bzw. Anwendungsproblemen betreffend IFRS 17, die im Zuge der Implementierung auftraten, auseinandergesetzt. Der IASB beschloss Ende 2018, ausgewählte Änderungen zu IFRS 17 zu erarbeiten und vorzuschlagen. Zudem wurde erwogen – und mittlerweile beschlossen -, das Erstanwendungsdatum um ein Jahr auf 2022 zu verschieben.

Der IASB hatte Ende Juni 2019 einen Exposure Draft veröffentlicht. Darin werden Änderungen an IFRS 17 inkl. geringfügiger Änderungen (die den Charakter von Annual Improvements hätten, jedoch in Zusammenhang mit den sonstigen Änderungsvorschlägen publiziert werden sollen) sowie eine Änderung des Erstanwendungszeitpunkts von IFRS 17 vorgeschlagen.

Diese Änderungsvorschläge standen bis Ende September 2019 zur Kommentierung. Die erneuten Erörterungen des IASB unter Einbezug der Rückmeldungen haben kürzlich begonnen. Derzeit wird in Aussicht gestellt, dass die endgültigen Änderungen Mitte 2020 verabschiedet werden.

Inhalt des Entwurfs

Der Exposure Draft ED/2019/4 ist das Hauptdokument und enthält inhaltliche Änderungsvorschläge zu IFRS 17, eine Liste von geringfügigen, eher redaktionellen Anpassungen sowie den Vorschlag einer Verschiebung des IFRS 17-Erstanwendungszeitpunkts um 1 Jahr auf 2022. Der ED/2019/4 wird begleitet von einem Zusatzdokument – den sog. Basis for Conclusions. Dieses enthält Erläuterungen zu den Änderungsvorschlägen und die entsprechenden Beweggründe sowie Erläuterungen zu den Themen, für die der IASB keine Änderungen vorsieht.

Änderungsvorschläge im Einzelnen

Der ED/2019/4 enthält Änderungsvorschläge zu folgenden neun Themen („topics“): 

  • Anwendungsbereich: Bestimmte Darlehensverträge mit Versicherungskomponenten können wahlweise, Kreditkartenverträge mit Versicherungskomponenten werden verpflichtend in den Anwendungsbereich von IFRS 9 (statt unter IFRS 17) eingeordnet werden.
  • Akquisezahlungen/-provisionen: Diese werden nun teilweise künftigen, also erwarteten (Folge-)Verträgen zugerechnet. Bis zu deren Vertragsschluss werden die Provisionsanteile (separat) aktiviert.
  • Vertragsservicemarge und Deckungseinheiten: Die Servicemarge soll künftig auch auf Deckungseinheiten aus Investmentservices verteilt werden.
  • Rückversicherungsverträge: Werden Rückversicherungsverträge für verlustträchtige Erstversicherungsverträge geschlossen, dürfen Gewinne aus diesen Rückversicherungsverträge bei deren Erstansatz sofort ergebniswirksam vereinnahmt werden – und stellen somit einen Ausgleich zur sofortigen Verlusterfassung aus jenen Erstversicherungsverträgen dar.
  • Darstellung: Für Zwecke der (getrennten) Darstellung von Versicherungsverträgen in zwei Gruppen – net assets und net liabilities –  werden diese Verträge künftig stärker aggregiert, nämlich auf Portfolioebene.
  • Risk Mitigation Exemption: Dieses Ausweiswahlrecht wird ausgeweitet, so dass es künftig (neben Derivaten) auch bei Rückversicherungsverträgen als Mittel der Risikokompensation anwendbar ist.
  • Erstanwendungszeitpunkt: IFRS 17 soll erst ein Jahr später – also nunmehr ab 1.1.2022 – erstmals verpflichtend angewendet werden.
  • Übergangsvorschriften: Es werden einige Erleichterungen, insb. zur Anwendung der sog. modifiziert retrospektiven Übergangsmethode geschaffen.
  • Minor amendments“: Unter diesem Stichwort wird eine Liste von geringfügigen, eher redaktionellen Anpassungen und Klarstellungen vorgeschlagen.

Hintergrund der Änderungsvorschläge

Der IASB hatte im Jahr 2018 eine Liste von eingereichten bzw. zur Kenntnis erhaltenen Anwendungsherausforderungen bzw. Implementierungsfragen erstellt. Diese Liste enthielt 25 Themen/Sachverhalte, die der IASB zwischen Oktober 2018 und Mai 2019 sukzessive diskutierte. Der IASB legte für sich selbst Kriterien fest, anhand derer beurteilt werden soll, ob (und welche) Sachverhalte tatsächlich zu IFRS 17-Änderungen führen sollen. Zugleich hat der IASB den Beschluss gefasst, dass angesichts dieser potenziellen Änderungen an IFRS 17 die verpflichtende Erstanwendung dieses Standards (und der damit einhergehende möglich Aufschub der Erstanwendung von IFRS 9 / “deferral”) um ein Jahr auf 2022 verschoben werden soll.

Zwischen Dezember 2018 und April 2019 hat der IASB nach und nach beschlossen, für welche inhaltlichen Sachverhalte Änderungen an IFRS 17 erarbeitet und veröffentlicht werden sollen. Der IASB hat anschließend diese Vorschläge – einzeln und auch als “Gesamtpaket” –  den genannten Kriterien prüfend unterzogen. Im Ergebnis bestätigte der IASB, für alle beschlossenen änderungsbedürftigen Sachverhalte die entsprechenden Änderungsvorschläge nun zu veröffentlichen.

Zugehörige Veranstaltungen

  • 77. Sitzung IFRS-FA
  • 05.09.2019
  • 77. Sitzung IFRS-FA
  • 05.09.2019
  • IASB ED/2019/4 Änderung an IFRS 17 Versicherungsverträge / EFRAG Fragebogen IFRS 17/IFRS 9

    Der IFRS-FA setzte die Diskussion des IASB-Entwurfs ED/2019/4 fort.

    Nach Kenntnisnahme der jüngsten Diskussion in der DRSC-Arbeitsgruppe „Versicherungen“ rundete der IFRS-FA seine eigene Meinungsbildung ab und erörterte zugleich den bereits vorliegenden Entwurf der DRSC-Stellungnahme. Die darin formulierten bisherigen Erkenntnisse und Feststellungen des IFRS-FA sowie der DRSC-AG „Versicherungen“ wurden vom IFRS-FA nochmals bekräftigt. Insoweit sollen die Themen und Kernaussagen sowie der Grundtenor dieser Aussagen im derzeitigen Stellungnahmeentwurf vollständig Inhalt der finalen Stellungnahme werden.

    Die DRSC-Stellungnahme wird kritische Hinweise und Anmerkungen zu den IASB-Änderungsvorschlägen bzgl. Rückversicherungsverträgen (Q4), Übergangsvorschriften (Q8) und ausgewählten „minor amendments“ (Q9) enthalten. Den übrigen Vorschlägen bzw. Fragen wird im Wesentlichen, in Teilen auch uneingeschränkt zugestimmt.

    In Bezug auf die Themen, zu denen der IASB keine Änderungen vorschlägt, sollen Anregungen zu den Themen Jahreskohorten, im Rahmen einer Business Combination erworbene Verträge, Schätzungen bei Zwischenabschlüssen sowie Anpassung von Vergleichszahlen formuliert werden, da aus Sicht des IFRS-FA die Kosten-Nutzen-Relation nicht hinreichend bedacht erscheint und daher eine nochmalige Abwägung der Argumente gegen entsprechende Änderungen geboten ist.

    Der IFRS-FA wird noch letzten Input der DRSC-Arbeitsgruppe einholen und beabsichtigt sodann, die Stellungnahme im Umlaufverfahren zu vollenden.

  • 76. Sitzung IFRS-FA
  • 15.07.2019
  • 76. Sitzung IFRS-FA
  • 15.07.2019
  • 75. Sitzung IFRS-FA
  • 13.06.2019
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  • 13.06.2019
  • 74. Sitzung IFRS-FA
  • 25.04.2019
  • 74. Sitzung IFRS-FA
  • 25.04.2019
  • IFRS 17 Versicherungsverträge - Update

    Der IFRS-FA besprach die jüngsten Entwicklungen bzw. Entscheidungen des IASB bezüglich IFRS 17 sowie die aktuellen bzw. weiteren geplanten Aktivitäten der DRSC-Arbeitsgruppe „Versicherungen“.

    Angesichts der geplanten Veröffentlichung der IASB-Änderungsvorschläge Ende Juni 2019 und der avisierten Kommentierungsfrist von 90 Tagen beabsichtigt der IFRS-FA, sich in den nächsten drei Sitzungen mit dem Entwurf intensiv zu befassen.

  • 73. Sitzung IFRS-FA
  • 28.02.2019
  • 73. Sitzung IFRS-FA
  • 28.02.2019
  • IFRS 17 Insurance Contracts - Update

    Die jüngsten Entwicklungen bzw. Entscheidungen des IASB in Bezug auf potenzielle IFRS 17-Änderungen waren Gegenstand des TOP 5. Der IFRS-FA wurde zudem über die erfolgten bzw. weiteren geplanten Aktivitäten der DRSC-Arbeitsgruppe „Versicherungen“ informiert. Ergänzend wurde erläutert, welche nächsten Schritte und welchen Zeitplan der IASB avisiert.

    Der Fachausschuss äußerte sich positiv zur Beschlusslage des IASB sowie seiner Bereitschaft, sich mit allen Kritikpunkten auseinanderzusetzen und wesentlichen Problemstellungen zu begegnen. In diesem Kontext wurde Verständnis für die Position geäußert, dass der IASB nicht jeden Aspekt als änderungsbedürftig ansehe.

    Auch stellte der IFRS-FA fest, dass die von EFRAG adressierten Themen aufgegriffen wurden (wenn auch nicht in allen Fällen zur Gänze ode der präferierten Sichtweise der Versicherungsbranche entsprechend) – was aber nicht so ausgelegt werden sollte, als ob damit ausschließlich europäische Belange berücksichtigt werden.

    Der IFRS-FA beabsichtigt, sich bereits vor Veröffentlichung des erwarteten IASB-Änderungsentwurfs eingehend mit den inhaltlichen Fragestellungen zu befassen, um vor dem Hintergrund der voraussichtlich verkürzten Kommentierungsfrist gleichwohl eine fundierte Beurteilung des Entwurfs vornehmen zu können.

Eingaben & Stellungnahmen

Datum Titel Adressat
16.09.2019 IASB

Veröffentlichungen Dritter

Titel Datum
IASB-ED/2019/4
26.06.2019
Begleitdokument zu IASB-ED/2019/4
26.06.2019

Literaturhinweise

Autor/In Titel Datum
Schubert, Daniel DRSC Stellungnahme zu Änderungen an IFRS 17 (ED/ 2019/4) PiR, 10/2019, S. 315 2019
Lleshaj, Denisa Bilanzierung von Versicherungsverträgen nach IFRS 17 (Teil 2) KoR, 09/2019, S. 380 ff. 2019
Freiberg, Jens/ Melcher, Thorsten Bilanzierung von Versicherungsverträgen nach IFRS bei Nicht-Versicherungsunternehmen Betriebs-Berater, 34/2019, S. 1963 ff. 2019
Brunde, Jens W./ Hayn, Benita DStR-Report Internatinale Rechnungslegung Deutsches Steuerrecht, 28/2019, S. 1479 ff. 2019
Lleshaj, Denisa Bilanzierung von Versicherungsverträgen nach IFRS 17 (Teil 1) KoR, 07-08/2019, S. 315 ff. 2019