IASB Amendments to IFRS 17 Insurance Contracts

Aktueller Stand

Seit Veröffentlichung von IFRS 17 Insurance Contracts (Versicherungsverträge) am 18. Mai 2017 hat der IASB sich intensiv mit Zweifelsfragen bzw. Anwendungsproblemen betreffend IFRS 17, die im Zuge der Implementierung auftraten, auseinandergesetzt. Der IASB beschloss Ende 2018, ausgewählte Änderungen zu IFRS 17 zu erarbeiten und vorzuschlagen. Zudem wurde erwogen – und zweimal beschlossen -, das Erstanwendungsdatum zu verschieben, und zwar nunmehr auf den 1.1.2023.

Der IASB hatte Ende Juni 2019 einen Exposure Draft veröffentlicht. Darin werden Änderungen an IFRS 17 inkl. geringfügiger Änderungen (die den Charakter von Annual Improvements hätten, jedoch in Zusammenhang mit den sonstigen Änderungsvorschlägen publiziert werden sollen) sowie eine Änderung des Erstanwendungszeitpunkts von IFRS 17 vorgeschlagen.

Diese Änderungsvorschläge standen bis Ende September 2019 zur Kommentierung. Die erneuten Erörterungen des IASB unter Einbezug der Rückmeldungen haben im Oktober 2019 begonnen und wurden im März 2020 abgeschlossen. Die endgültigen Änderungen sollen im Juni 2020 veröffentlicht werden.

Inhalt des Entwurfs

Der Exposure Draft ED/2019/4 ist das Hauptdokument und enthält inhaltliche Änderungsvorschläge zu IFRS 17, eine Liste von geringfügigen, eher redaktionellen Anpassungen sowie den Vorschlag einer Verschiebung des IFRS 17-Erstanwendungszeitpunkts um 1 Jahr auf 2022. (Durch späteren weiteren IASB-Beschluss wurde die Erstanwendung sogar auf 2023 verschoben.) Der ED/2019/4 wird begleitet von einem Zusatzdokument – den sog. Basis for Conclusions. Dieses enthält Erläuterungen zu den Änderungsvorschlägen und die entsprechenden Beweggründe sowie Erläuterungen zu den Themen, für die der IASB keine Änderungen vorsieht.

Änderungsvorschläge im Einzelnen

Der ED/2019/4 enthält Änderungsvorschläge zu folgenden neun Themen („topics“): 

  • Anwendungsbereich: Bestimmte Darlehensverträge mit Versicherungskomponenten können wahlweise, Kreditkartenverträge mit Versicherungskomponenten werden verpflichtend in den Anwendungsbereich von IFRS 9 (statt unter IFRS 17) eingeordnet werden.
  • Akquisezahlungen/-provisionen: Diese werden nun teilweise künftigen, also erwarteten (Folge-)Verträgen zugerechnet. Bis zu deren Vertragsschluss werden die Provisionsanteile (separat) aktiviert.
  • Vertragsservicemarge und Deckungseinheiten: Die Servicemarge soll künftig auch auf Deckungseinheiten aus Investmentservices verteilt werden.
  • Rückversicherungsverträge: Werden Rückversicherungsverträge für verlustträchtige Erstversicherungsverträge geschlossen, dürfen Gewinne aus diesen Rückversicherungsverträge bei deren Erstansatz sofort ergebniswirksam vereinnahmt werden – und stellen somit einen Ausgleich zur sofortigen Verlusterfassung aus jenen Erstversicherungsverträgen dar.
  • Darstellung: Für Zwecke der (getrennten) Darstellung von Versicherungsverträgen in zwei Gruppen – net assets und net liabilities –  werden diese Verträge künftig stärker aggregiert, nämlich auf Portfolioebene.
  • Risk Mitigation Exemption: Dieses Ausweiswahlrecht wird ausgeweitet, so dass es künftig (neben Derivaten) auch bei Rückversicherungsverträgen als Mittel der Risikokompensation anwendbar ist.
  • Erstanwendungszeitpunkt: IFRS 17 soll erst ein Jahr später – also nunmehr ab 1.1.2022 – erstmals verpflichtend angewendet werden.
  • Übergangsvorschriften: Es werden einige Erleichterungen, insb. zur Anwendung der sog. modifiziert retrospektiven Übergangsmethode geschaffen.
  • Minor amendments“: Unter diesem Stichwort wird eine Liste von geringfügigen, eher redaktionellen Anpassungen und Klarstellungen vorgeschlagen.

Folgediskussion der Änderungsvorschläge

Der IASB hatte nach Ablauf der Kommentierungsphase zügig seine Erörterungen aufgenommen. Dabei wurden die Änderungsvorschläge, aber auch einzelne Themen, für die keine Änderungen vorgeschlagen wurden, aufgegriffen. Letztlich hat der IASB bis März 2020 seine Diskussionen beendet und dabei bei einzelnen Themen seine Meinung bzw. bisherigen Vorschläge geändert – und zwar folgende:

  • Vertragsakquiseprämien: Die Bewertung des Asset für renewals wird präzisiert.
  • Gehaltene Rückversicherungsverträge: Die zulässigen Vertragsarten werden ausgedehnt; die abweichende Bilanzierung ist nun für sämtliche (nicht nur proportionale) Rückversicherungsverträge
  • Kreditkarten mit Versicherungskomponente: Statt des IFRS 9-17-Wahlrechts ist nun eine Aufspaltung vorzunehmen, so dass nur die Versicherungskomponente nach IFRS 17 bilanziert wird.
  • Zwischenberichte: Unternehmen haben nunmehr ein Wahlrecht, Schätzungen einer Zwischenperiode in der Folgeperiode zurückzunehmen oder beizubehalten.
  • CSM bei Investment-Services: Die Kriterien, ob nicht direkt überschussbeteiligte Verträge Investment-Servi­ces beinhalten, die bei der CSM-Allokation (zusätzlich) zu berücksichtigen sind, werden präzisiert.
  • Risk mitigation option: Diese Ausweisoption für direkt überschussbeteiligte Verträge wird ausgeweitet und ist nun auch bei Verwendung von Nichtderivaten, sofern diese at FVPL bewertet werden, anwendbar.
  • Minor amendments: Einzelne dieser geringfügigen Anpassungen werden leicht modifiziert.
  • Übergangsvorschriften: Einige Details, insb. zulässige Erleichterungen (modifications) bei Anwendung des modified retrospective approach, wurden ergänzt oder nachgeschärft.
  • Zeitpunkt der Erstanwendung von IFRS 17 und für den spätestmöglichen Übergang auf IFRS 9: Das Datum wurde (für beides) auf den 1.2023 geändert.

Diese Aufzählung steht unter dem Vorbehalt des exakten Wortlauts der finalen Änderungen.

Zugehörige Dokumente & Konsultationen

Titel Datum
DRSC-SN zu ED/2019/4
16.09.2019

Befassung durch das DRSC

Das DRSC hat den Standarderstellungsprozess von IFRS 17 und damit in Zusammenhang stehende Projekte sehr eng begleitet. Der IFRS-Fachausschuss hat die Änderungsvorschläge des IASB im ED/2019/4 intensiv erörtert und seine Meinung dazu in Form einer Stellungnahme formuliert und dem IASB übermittelt.

Darin werden die außerordentlichen Bemühungen des IASB grundsätzlich begrüßt und deshalb die Änderungsvorschläge unterstützt. Allerdings werden folgende vorgeschlagenen Änderungen für nachbesserungswürdig erklärt:

  • die Vorschläge in Bezug auf Rückversicherungsverträge, die zwar in die richtige Richtung gehen, jedoch den Kreis der von der Änderung profitierenden Vertragsarten zu sehr und unnötig einengen (siehe unsere Antwort zu Q4, Anhang A der Stellungnahme);
  • die Anwendungsvoraussetzungen für die Nutzung der modifiziert retrospektiven Übergangsmethode, bei denen der Wortlaut nachgeschärft werden könnte (vgl. Antwort zu Q8); sowie
  • die Vorschläge für geringfügige Änderungen, bei denen wir teils Klarstellungs- oder Verbesserungsbedarf erkennen (vgl. Antwort zu Q9).

Mit Blick auf die Themen, für welche der IASB keine Änderungen vorschlägt, stimmt der IFRS-FA den IASB-Entscheidungen und den Beweggründen grundlegend zu. Allerdings ist in Bezug auf die Themen „Jahreskohorten“ (BC164 ff.), Unternehmenszusammenschlüsse (BC204 ff.), Zwischenberichte (BC214 ff.) sowie Vergleichszahlen zum Übergangszeitpunkt (BC117 ff.) die IASB-Begründung zwar nachvollziehbar, berücksichtigt nach unserer Auffassung das Kosten-Nutzen-Verhältnis aber nicht angemessen.

Arbeitsgruppe “Versicherungen”

Zur Unterstützung der fachlichen Einschätzung der IASB-Vorschläge hat der IFRS-FA die Arbeitsgruppe “Versicherungen” eingerichtet. Im Zuge der Implementierung von IFRS 17 befasste sich die AG mit den konkreten Regelungen von IFRS 17 und erörterte zahlreiche Anwendungsfragen. Die AG hat zudem auch alle IASB-Sitzungen und -Beschlüsse zur Vorbereitung der Änderungsvorschläge intensiv gewürdigt. Schließlich hat die AG hat die Änderungsvorschläge zu IFRS 17 detailliert erörtert und ihre Sichtweise dem IFRS-FA kontinuierlich zur Kenntnis gebracht. Des Weiteren hat die AG die späteren Re-Deliberations des IASB intensiv und monatlich begleitet und die vom IASB erzielten Beschlüsse gewürdigt.

Zugehörige Veranstaltungen

  • 77. Sitzung IFRS-FA
  • 05.09.2019
  • 77. Sitzung IFRS-FA
  • 05.09.2019
  • IASB ED/2019/4 Änderung an IFRS 17 Versicherungsverträge / EFRAG Fragebogen IFRS 17/IFRS 9

    Der IFRS-FA setzte die Diskussion des IASB-Entwurfs ED/2019/4 fort.

    Nach Kenntnisnahme der jüngsten Diskussion in der DRSC-Arbeitsgruppe „Versicherungen“ rundete der IFRS-FA seine eigene Meinungsbildung ab und erörterte zugleich den bereits vorliegenden Entwurf der DRSC-Stellungnahme. Die darin formulierten bisherigen Erkenntnisse und Feststellungen des IFRS-FA sowie der DRSC-AG „Versicherungen“ wurden vom IFRS-FA nochmals bekräftigt. Insoweit sollen die Themen und Kernaussagen sowie der Grundtenor dieser Aussagen im derzeitigen Stellungnahmeentwurf vollständig Inhalt der finalen Stellungnahme werden.

    Die DRSC-Stellungnahme wird kritische Hinweise und Anmerkungen zu den IASB-Änderungsvorschlägen bzgl. Rückversicherungsverträgen (Q4), Übergangsvorschriften (Q8) und ausgewählten „minor amendments“ (Q9) enthalten. Den übrigen Vorschlägen bzw. Fragen wird im Wesentlichen, in Teilen auch uneingeschränkt zugestimmt.

    In Bezug auf die Themen, zu denen der IASB keine Änderungen vorschlägt, sollen Anregungen zu den Themen Jahreskohorten, im Rahmen einer Business Combination erworbene Verträge, Schätzungen bei Zwischenabschlüssen sowie Anpassung von Vergleichszahlen formuliert werden, da aus Sicht des IFRS-FA die Kosten-Nutzen-Relation nicht hinreichend bedacht erscheint und daher eine nochmalige Abwägung der Argumente gegen entsprechende Änderungen geboten ist.

    Der IFRS-FA wird noch letzten Input der DRSC-Arbeitsgruppe einholen und beabsichtigt sodann, die Stellungnahme im Umlaufverfahren zu vollenden.

  • 76. Sitzung IFRS-FA
  • 15.07.2019
  • 76. Sitzung IFRS-FA
  • 15.07.2019
  • 75. Sitzung IFRS-FA
  • 13.06.2019
  • 75. Sitzung IFRS-FA
  • 13.06.2019
  • 74. Sitzung IFRS-FA
  • 25.04.2019
  • 74. Sitzung IFRS-FA
  • 25.04.2019
  • IFRS 17 Versicherungsverträge - Update

    Der IFRS-FA besprach die jüngsten Entwicklungen bzw. Entscheidungen des IASB bezüglich IFRS 17 sowie die aktuellen bzw. weiteren geplanten Aktivitäten der DRSC-Arbeitsgruppe „Versicherungen“.

    Angesichts der geplanten Veröffentlichung der IASB-Änderungsvorschläge Ende Juni 2019 und der avisierten Kommentierungsfrist von 90 Tagen beabsichtigt der IFRS-FA, sich in den nächsten drei Sitzungen mit dem Entwurf intensiv zu befassen.

  • 73. Sitzung IFRS-FA
  • 28.02.2019
  • 73. Sitzung IFRS-FA
  • 28.02.2019
  • IFRS 17 Insurance Contracts - Update

    Die jüngsten Entwicklungen bzw. Entscheidungen des IASB in Bezug auf potenzielle IFRS 17-Änderungen waren Gegenstand des TOP 5. Der IFRS-FA wurde zudem über die erfolgten bzw. weiteren geplanten Aktivitäten der DRSC-Arbeitsgruppe „Versicherungen“ informiert. Ergänzend wurde erläutert, welche nächsten Schritte und welchen Zeitplan der IASB avisiert.

    Der Fachausschuss äußerte sich positiv zur Beschlusslage des IASB sowie seiner Bereitschaft, sich mit allen Kritikpunkten auseinanderzusetzen und wesentlichen Problemstellungen zu begegnen. In diesem Kontext wurde Verständnis für die Position geäußert, dass der IASB nicht jeden Aspekt als änderungsbedürftig ansehe.

    Auch stellte der IFRS-FA fest, dass die von EFRAG adressierten Themen aufgegriffen wurden (wenn auch nicht in allen Fällen zur Gänze ode der präferierten Sichtweise der Versicherungsbranche entsprechend) – was aber nicht so ausgelegt werden sollte, als ob damit ausschließlich europäische Belange berücksichtigt werden.

    Der IFRS-FA beabsichtigt, sich bereits vor Veröffentlichung des erwarteten IASB-Änderungsentwurfs eingehend mit den inhaltlichen Fragestellungen zu befassen, um vor dem Hintergrund der voraussichtlich verkürzten Kommentierungsfrist gleichwohl eine fundierte Beurteilung des Entwurfs vornehmen zu können.

Eingaben & Stellungnahmen

Datum Titel Adressat
16.09.2019 IASB

Veröffentlichungen Dritter

Titel Datum
IASB-ED/2019/4
26.06.2019
Begleitdokument zu IASB-ED/2019/4
26.06.2019

Literaturhinweise

Autor/In Titel Datum
Brune, Jens W./ Hayn, Benita DStR-Report Internationale Rechnungslegung Deutsches Steuerrecht, 18/2020, S. 943 ff. 2020
IDW - Versicherungsfachausschuss VFA: Technische Umsetzung des Auflösungsmusters nach IFRS 17.B119 (b) Fachlicher Hinweis des Versicherungsfachausschusses (verabschiedet am 19.03.2020) IDW Fachnachrichten, 04/2020, S. 334 f. 2020
Versicherungsfachausschuss (VFA) VFA: Vereinnahmung der Contractual Service Margin (CSM) in der deutschen Lebensversicherung nach IFRS 17 Fachlicher Hinweis des Versicherungsfachausschusses (VFA) (verabschiedet in seiner 237. Sitzung am 17.01.2020) IDW Fachnachrichten, 03/2020, S. 215 ff. 2020
Brune, Jens W./ Hayn, Benita DStR-Report Internationale Rechnungslegung Deutsches Steuerrecht, 05/2020, S. 241 ff. 2020
Lüdenbach, Norbert/ Freiberg, Jens BB-IFRS-Report 2019 Betriebs-Berater, 51-52/2019, S. 3051 ff. 2019