IASB Tochterunternehmen, die keiner öffentlichen Rechenschaft unterliegen: Angaben

Aktueller Stand

Der IASB hat am 26. Juli 2021 den Entwurf ED/2021/7 Subsidiaries without Public Accountability: Disclosures veröffentlicht und zur Kommentierung gestellt (weitere Informationen).

Mit diesem Entwurf hat der IASB den Entwurf eines eigenständigen IFRS vorgelegt, der es Unternehmen, die keiner öffentlichen Rechenschaft unterliegen (d.h. Unternehmen, die keine Finanzinstitute oder börsennotiert sind), erlauben würde, die IFRS mit einer reduzierten Anzahl von Angabepflichten in ihrem Einzelabschluss anzuwenden. Voraussetzung für die Anwendung der Vereinfachung ist, dass das Unternehmen am Ende der Berichtsperiode:

  • ein Tochterunternehmen (iSv IFRS 10) ist,
  • keiner öffentlichen Rechenschaftspflicht unterliegt und
  • ein oberstes oder zwischengeschaltetes Mutterunternehmen hat, das einen der Öffentlichkeit zugänglichen Konzernabschluss erstellt, der in Übereinstimmung mit den IFRS erstellt wurde.

Der vorgeschlagene IFRS zielt darauf ab, die Berichterstattung dieser Tochterunternehmen zu vereinfachen und gleichzeitig den Informationsbedürfnissen der Abschlussadressaten gerecht zu werden.

Stellungnahmen sind möglich bis zum 31. Januar 2022.

Begleitend zum Exposure Draft hat der IASB eine kurze Zusammenfassung der Vorschläge (Snapshot) in englischer Sprache veröffentlicht.

Hintergrund

Der IASB hatte das Projekt als Reaktion auf das Feedback, das er im Rahmen der Agendakonsultation 2015 erhalten hatte, in sein Arbeitsprogramm aufgenommen. Stakeholder hatten den IASB gebeten, einem Tochterunternehmen, das in den IFRS-Konzernabschluss eines übergeordneten Mutterunternehmens einbezogen wird, zu gestatten, für den (Einzel-)Abschluss die IFRS mit reduzierten Angabepflichten anzuwenden.

Mit dem nunmehr veröffentlichten Entwurf reagiert der IASB auf das erhaltene Feedback:

  • Viele Tochterunternehmen unterliegen keiner öffentlichen Rechenschaftspflicht. Ein Tochterunternehmen, das die IFRS in seinem (Einzel-)Abschluss anwenden möchte, hätte jedoch die gleichen Angaben wie öffentlich rechenschaftspflichtige Unternehmen zu machen.
  • Der “IFRS for SMEs” kann für einige Tochterunternehmen unattraktiv sein, weil sie an ihre Muttergesellschaft nach IFRS berichten, die andere Anforderungen als der “IFRS for SMEs” vorsehen können.
  • Die Anwendung lokaler GAAP oder des “IFRS for SMEs” erfordert zusätzliche Buchhaltungsunterlagen, was Ressourcen verbraucht und die Kosten für die Erstellung von Abschlüssen für diese Tochtergesellschaften erhöht.

Der im ED/2021/7 vorgeschlagene neue IFRS zielt damit darauf ab, die Berichterstattung dieser Tochterunternehmen zu vereinfachen und gleichzeitig den Informationsbedürfnisse ihrer Abschlussadressaten gerecht zu werden.

Hinzuweisen ist darauf, dass – auch wenn der finale Standard in Europäisches Recht übernommen wird – so bleibt der Anwendungsbereich für deutsche Tochterunternehmen von der Umsetzung der IAS-Verordnung im Handelsrecht bestimmt. Dieses sieht gegenwärtig lediglich die befreiende Offenlegung eines IFRS-Einzelabschlusses nach § 325 Abs. 2a HGB vor, jedoch keine Befreiung von der originären Erstellung von Jahresabschlüssen nach HGB. 

Literaturhinweise

Autor/In Titel Datum
Busch, Julia/ Zwirner, Christian ED/2021/7 zu Berichtspflichten von Tochterunternehmen, die keiner öffentlichen Rechenschaftspflicht unterliegen IRZ, 09/2021, S. 369 ff. 2021
Eierle, Brigitte/ Hartlieb, Sven IFRS-Anwendung im Mittelstand Status Quo und aktuelle Herausforderungen PiR, 07-08/2020, S. 248 ff. 2020
Kirsch, Hanno Der Comprehensive Review of the IFRS for SMEs-Standard Überlegungen des IASB zum künftigen IFRS-SME-Standard und deren Einschätzung PiR, 07-08/2020, S. 232 ff. 2020
Kirsch, Hanno Erleichterungsvorschriften für Kleinstgesellschaften IFRS und Handelsrecht im Vergleich PiR, 05/2020, S. 160 ff. 2020
Brune, Jens W./ Hayn, Benita DStR-Report Internationale Rechnungslegung Deutsches Steuerrecht, 18/2020, S. 943 ff. 2020