IASB Klassifizierung von Schulden (Änderungen an IAS 1)

Aktueller Stand

Der IASB hat am 23. Januar 2020 die finalen Änderungen an IAS 1 “Klassifizierung von Schulden als kurz- oder langfristig” veröffentlicht (siehe Pressemitteilung des IASB).

Im Kontext der Coronavirus-Pandemie beabsichtigt der IASB, den Zeitpunkt des Inkrafttretens der Änderungen an IAS 1 “Klassifizierung von Schulden als kurz- oder langfristig” um ein Jahr zu verschieben (Pressemitteilung), d.h. nunmehr auf jährliche Berichtsperioden, die am oder nach dem 1. Januar 2023 beginnen. Hierzu hat der IASB am 4. Mai 2020 einen Exposure Draft veröffentlichen (Pressemitteilung). Stellungnahmen sind bis zum 3. Juni 2020 erbeten. Das DRSC hat 22. Mai 2020 seine Stellungnahme zum Exposure Draft an den IASB übermittelt. Darin unterstützt das DRSC das Vorhaben des IASB, da es den betroffenen Unternehmen mehr Zeit für die Umsetzung der Änderungen an IAS 1 gewährt.

Gegenstand der Änderungen an IAS 1

Gegenstand der Änderungen an IAS 1 ist die Klarstellung, dass im Rahmen der Klassifizierung von Verbindlichkeit als kurz- oder langfristig auf bestehende Rechte des Unternehmens zum Abschlussstichtag abzustellen ist. Hierbei sollen Erwartungen des Managements, ob ein solches Recht tatsächlich auch ausgeübt wird, unberücksichtigt bleiben.

Sofern ein Recht zur Verlängerung einer oder mehrerer Bedingungen (z.B. Covenants) unterliegt, die jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt (nach dem Abschlussstichtag) getestet/überprüft werden, so ist entscheidend, ob die Bedingungen am Abschlussstichtag eingehalten wurden.

Darüber hinaus stellt der IASB klar, dass Kreditbedingungen, die – nach Wahl des Gläubigers – zu einer Erfüllung der Schuld in Eigenkapitalanteilen des Unternehmens führen können, bei der Klassifizierung zu berücksichtigen sind, es sei denn, es liegt ein separat zu bilanzierendes Eigenkapitalinstrument i.S. von IAS 32 vor.

Zielsetzung des Projekts

Der IASB adressiert mit dem Projekt identifizierten Klärungsbedarf bei der Unterscheidung von kurz- und langfristigen Schulden für die Darstellung in der Bilanz bzw. für die erforderliche Anhangangabe, sofern Vermögenswerte und Schulden nach ihrer Liquidität in der Bilanz ausgewiesen werden.

Der IASB hat im Februar 2015 seine Änderungsvorschläge im Exposure Draft ED/2015/1 Classification of Liabilities (Proposed Amendments to IAS 1) veröffentlicht. Zur Klarstellung der Unterscheidung von kurz- und langfristigen Verbindlichkeiten wurde vom IASB vorgeschlagen:

  • Die Formulierung “Ermessen des Unternehmens zur Refinanzierung” durch “Recht zur Refinanzierung” zu ersetzen (IAS 1.73);
  • Bei der Klassifizierung von Verbindlichkeiten ist auf bestehende Rechte des Unternehmens zum Abschlussstichtag abzustellen; und
  • Streichung der Charakterisierung des Rechts als “uneingeschränkt”.

Ferner hat der IASB vorgeschlagen, stärker den Zusammenhang zwischen der Erfüllung einer Verbindlichkeit und dem hiermit einhergehenden Ressourcenabfluss zu verdeutlichen. Hierzu wurde im ED vorgeschlagen, die Begleichung einer Verbindlichkeit als “die Übertragung von Barmitteln, Eigenkapitalinstrumenten des Unternehmens sowie sonstigen Vermögenswerten oder Dienstleistungen an die Gegenpartei” zu definieren.

Zugehörige Dokumente & Konsultationen

Titel Datum
Exposure Draft ED/2020/3 Classification of Liabilities as Current or Non-Current - Deferral of Effective Date (Proposed Amendments to IAS 1)
04/05/2020
Exposure Draft ED/2015/1 Classification of Liabilities - Proposed amendments to IAS 1
02/10/2015

Befassung durch den IFRS-Fachausschuss

Der IFRS-FAchausschuss des DRSC hat am 9. Juni 2015 eine Stellungnahme an den IASB zum ED/2015/1 übermittelt.

In der Stellungnahme werden Bedenken geäußert, dass die Änderungsvorschläge im Entwurf nur begrenzt der Klarstellung von bestehenden Klassifizierungsfragen dienlich sind. Gewichtige Fragen zur Unterscheidung von Kurz- und Langfristigkeit von Schulden bestehen aus Sicht des DRSC weiterhin. Vor diesem Hintergrund erscheint es notwendig, dass der IASB zunächst klarstellt, welchem Zweck die Unterscheidung dienen soll.

Zudem sieht das DRSC Klarstellungsbedarf für die Änderungsvorschläge im Entwurf. Insbesondere ist nicht klar ersichtlich, ob bestehende Optionen für einen Zahlungsaufschub aus Sicht des IASB einer wirtschaftlichen Betrachtungsweise unterliegen müssen. Auch das Zusammenspiel von Recht zum Zahlungsaufschub bzw. frühzeitige Rückzahlung einer Schuld erscheint für die Klassifizierung weitgehend ungeklärt.

Zugleich wurde auch eine Stellungnahme des DRSC an EFRAG übermittelt.

Zugehörige Veranstaltungen

  • 84. Sitzung IFRS-FA
  • 11.05.2020
  • 84. Sitzung IFRS-FA
  • 11.05.2020
  • 38. Sitzung IFRS-FA
  • 18.05.2015
  • 38. Sitzung IFRS-FA
  • 18.05.2015
  • IASB ED/2015/1 Klassifizierung von Schulden – Vorgeschlagene Änderungen an IAS 1

    Dem IFRS-FA wird ein überarbeiteter Entwurf der DRSC-Stellungnahme zu den IASB-Vorschlägen zur Einstufung von Verbindlichkeiten als lang- bzw. kurzfristig vorgelegt. Der IFRS-FA bestätigt die Hauptkritik im vorgelegten Entwurf der Stellungnahme, dass es im IASB-Vorschlag insbesondere an einer Klarstellung der Zwecksetzung der Unterscheidung mangelt.

    Darüber hinaus schlägt der IFRS-FA kleinere Änderungen am vorgelegten Stellungnahmeentwurf vor, die im Umlaufverfahren abgestimmt werden sollen.

  • 37. Sitzung IFRS-FA
  • 09.04.2015
  • 37. Sitzung IFRS-FA
  • 09.04.2015
  • IASB ED/2015/1 Classification of Liabilities - Proposed amendments to IAS 1

    Der IFRS-FA diskutiert den vorgelegten Entwurf einer Stellungnahme an den IASB hinsichtlich der IASB-Vorschläge zur Klarstellung der Unterscheidung von kurz- und langfristigen Verbindlichkeiten. Der IFRS-FA erörtert in diesem Zusammenhang auch die Sichtweisen im Stellungnahmeentwurf von EFRAG. Schwerpunkte der Diskussion sind:

    • die Behandlung von Kündigungs- und Verlängerungsrechten,
    • die Unterscheidung von Kurz- und Langfristigkeit in der Bilanz sowie detaillierte Fristigkeitsangaben im Anhang und
    • die Auslegung von Substanz bei der Beurteilung, ob ein Verlängerungsrecht eine realistische Alternative darstellt.

    Der IFRS-FA kann nicht zu allen vorgenannten Punkten Einigkeit erzielen und verständigt sich darauf, die Verabschiedung des überarbeiteten Stellungnahmeentwurfs in die Tagesordnung für die nächste FA-Sitzung aufzunehmen.