IASB Klassifizierung von Schulden (Änderungen an IAS 1)

Aktueller Stand

Der IASB hat am 23. Januar 2020 die finalen Änderungen an IAS 1 “Klassifizierung von Schulden als kurz- oder langfristig” veröffentlicht (siehe Pressemitteilung des IASB).

Veranlasst durch eine Befassung des IFRS IC hat der IASB in seiner Sitzung im Juni 2021 beschlossen, die Änderungen an IAS 1 zu ändern bzw. klarzustellen. Diese Klarstellungen sollen sich auf Schulden beziehen, die Bedingungen unterliegen, die jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt (nach Ende der Berichtsperiode) überprüft werden. Damit sind bspw. Covenants angesprochen, die erst zu einem zukünftigen Zeitpunkt (z.B. unterjährigem Quartalsstichtag) zu erfüllen sind.

Mit dieser Änderung soll vorgeschlagen werden:

  • Klassifizierung als kurz- oder langfristig – Es soll festgelegt werden, dass, wenn das Recht, die Erfüllung um mindestens 12 Monate zu verschieben, davon abhängt, dass ein Unternehmen nach dem Berichtszeitraum Bedingungen zu erfüllen hat, diese Bedingungen keinen Einfluss darauf haben, ob das Recht auf Verschiebung der Erfüllung am Ende des Berichtszeitraums (dem Bilanzstichtag) für die Zwecke der Klassifizierung einer Schuld als kurzfristig oder langfristig besteht
  • Zusätzliche Angaben – Für langfristige Schulden, die Bedingungen unterliegen, soll ein Unternehmen verpflichtet werden, Informationen anzugeben über:
    • die Bedingungen (z. B. die Art und das Datum, bis zu dem das Unternehmen die Bedingung erfüllen muss),
    • ob das Unternehmen die Bedingungen auf der Grundlage der Verhältnisse am Abschlussstichtag erfüllen würde und
    • ob und wie das Unternehmen erwartet, die Bedingungen bis zu dem Datum zu erfüllen, an dem sie vertraglich überprüft werden.
  • Gesonderte Darstellung in der Bilanz – Unternehmen sollen in der Bilanz “langfristige Schulden, die Bedingungen unterliegen” separat in der Bilanz ausweisen müssen. Dieser Posten würde als langfristig eingestufte Schulden umfassen, bei denen das Recht, die Erfüllung um mindestens 12 Monate zu verschieben, davon abhängt, dass das Unternehmen nach dem Abschlussstichtag Bedingungen erfüllt.
  • Verschiebung des Zeitpunkts des Inkrafttretens der Änderungen von 2020 – Der Zeitpunkt des Inkrafttretens der in 2020 erfolgten Änderungen an IAS 1 soll verschoben werden (auf Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2024 beginnen).

Der IASB beabsichtigt, im November 2021 einen entsprechenden Entwurf zur Änderung von IAS 1 zu veröffentlichen. Die Kommentierungsfrist wird voraussichtlich 120 Tage betragen.

Gegenstand der in 2020 vorgenommenen Änderungen an IAS 1

Gegenstand der Änderungen an IAS 1 ist die Klarstellung, dass im Rahmen der Klassifizierung von Verbindlichkeit als kurz- oder langfristig auf bestehende Rechte des Unternehmens zum Abschlussstichtag abzustellen ist. Hierbei sollen Erwartungen des Managements, ob ein solches Recht tatsächlich auch ausgeübt wird, unberücksichtigt bleiben.

Sofern ein Recht zur Verlängerung einer oder mehrerer Bedingungen (z.B. Covenants) unterliegt, die jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt (nach dem Abschlussstichtag) getestet/überprüft werden, so ist entscheidend, ob die Bedingungen am Abschlussstichtag eingehalten wurden.

Darüber hinaus stellt der IASB klar, dass Kreditbedingungen, die – nach Wahl des Gläubigers – zu einer Erfüllung der Schuld in Eigenkapitalanteilen des Unternehmens führen können, bei der Klassifizierung zu berücksichtigen sind, es sei denn, es liegt ein separat zu bilanzierendes Eigenkapitalinstrument i.S. von IAS 32 vor.

Die Änderungen sind – aufgrund einer Verschiebung des Erstanwendungszeitpunkts – erstmalig anzuwenden auf Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2023 beginnen. Die Indossierung der Änderungen an IAS 1 stehen derzeit noch aus.

Zugehörige Dokumente & Konsultationen

Titel Datum
Exposure Draft ED/2020/3 Classification of Liabilities as Current or Non-Current - Deferral of Effective Date (Proposed Amendments to IAS 1)
04/05/2020
Exposure Draft ED/2015/1 Classification of Liabilities - Proposed amendments to IAS 1
02/10/2015

Befassung durch den IFRS-Fachausschuss

Der IFRS-FAchausschuss des DRSC hat am 9. Juni 2015 eine Stellungnahme an den IASB zum ED/2015/1 übermittelt.

In der Stellungnahme werden Bedenken geäußert, dass die Änderungsvorschläge im Entwurf nur begrenzt der Klarstellung von bestehenden Klassifizierungsfragen dienlich sind. Gewichtige Fragen zur Unterscheidung von Kurz- und Langfristigkeit von Schulden bestehen aus Sicht des DRSC weiterhin. Vor diesem Hintergrund erscheint es notwendig, dass der IASB zunächst klarstellt, welchem Zweck die Unterscheidung dienen soll.

Zudem sieht das DRSC Klarstellungsbedarf für die Änderungsvorschläge im Entwurf. Insbesondere ist nicht klar ersichtlich, ob bestehende Optionen für einen Zahlungsaufschub aus Sicht des IASB einer wirtschaftlichen Betrachtungsweise unterliegen müssen. Auch das Zusammenspiel von Recht zum Zahlungsaufschub bzw. frühzeitige Rückzahlung einer Schuld erscheint für die Klassifizierung weitgehend ungeklärt.

Zugleich wurde auch eine Stellungnahme des DRSC an EFRAG übermittelt.

Zugehörige Veranstaltungen

  • 84. Sitzung IFRS-FA
  • 11.05.2020
  • 84. Sitzung IFRS-FA
  • 11.05.2020
  • 38. Sitzung IFRS-FA
  • 18.05.2015
  • 38. Sitzung IFRS-FA
  • 18.05.2015
  • IASB ED/2015/1 Klassifizierung von Schulden – Vorgeschlagene Änderungen an IAS 1

    Dem IFRS-FA wird ein überarbeiteter Entwurf der DRSC-Stellungnahme zu den IASB-Vorschlägen zur Einstufung von Verbindlichkeiten als lang- bzw. kurzfristig vorgelegt. Der IFRS-FA bestätigt die Hauptkritik im vorgelegten Entwurf der Stellungnahme, dass es im IASB-Vorschlag insbesondere an einer Klarstellung der Zwecksetzung der Unterscheidung mangelt.

    Darüber hinaus schlägt der IFRS-FA kleinere Änderungen am vorgelegten Stellungnahmeentwurf vor, die im Umlaufverfahren abgestimmt werden sollen.

  • 37. Sitzung IFRS-FA
  • 09.04.2015
  • 37. Sitzung IFRS-FA
  • 09.04.2015
  • IASB ED/2015/1 Classification of Liabilities - Proposed amendments to IAS 1

    Der IFRS-FA diskutiert den vorgelegten Entwurf einer Stellungnahme an den IASB hinsichtlich der IASB-Vorschläge zur Klarstellung der Unterscheidung von kurz- und langfristigen Verbindlichkeiten. Der IFRS-FA erörtert in diesem Zusammenhang auch die Sichtweisen im Stellungnahmeentwurf von EFRAG. Schwerpunkte der Diskussion sind:

    • die Behandlung von Kündigungs- und Verlängerungsrechten,
    • die Unterscheidung von Kurz- und Langfristigkeit in der Bilanz sowie detaillierte Fristigkeitsangaben im Anhang und
    • die Auslegung von Substanz bei der Beurteilung, ob ein Verlängerungsrecht eine realistische Alternative darstellt.

    Der IFRS-FA kann nicht zu allen vorgenannten Punkten Einigkeit erzielen und verständigt sich darauf, die Verabschiedung des überarbeiteten Stellungnahmeentwurfs in die Tagesordnung für die nächste FA-Sitzung aufzunehmen.