IASB Definition of a Business and Accounting for Previously Held Interests

Aktueller Stand

Der IASB erarbeitet derzeit Änderungsvorschläge an IFRS 3 und IFRS 11 hinsichtlich der Definition von Geschäftsbetrieb und der Bilanzierung zuvor gehaltener Anteile. Dies resultiert u.a. aus den Rückmeldungen zum PiR zu IFRS 3.

Zunächst hatte der IASB hatte hierzu im Juni 2016 den ED/2016/1 Definition of a Business and Accounting for Previously Held Interests (Proposed amendments to IFRS 3 and IFRS 11) („Definition eines Geschäftsbetriebs und Bilanzierung zuvor gehaltener Anteile – Vorgeschlagene Änderungen an IFRS 3 und IFRS 11“) veröffentlicht, dessen Vorschläge zur Definition von Geschäftsbetrieb im Wesentlichen den vorgeschlagenen Änderungen des FASB entsprechen. Inzwischen führt der IASB beide Projektteile als einzelne Projekte.

Hinsichtlich der Änderungen bezüglich der Bilanzierung zuvor gehaltener Anteile hat das IFRS IC im März 2017 empfohlen, das Projekt ohne signifikante Änderungen zeitnah zu finalisieren. Die Änderungen hat der IASB im AIP 2015-2017 finalisiert.

Der IASB beabsichtigt, die Erörterungen der Rückmeldungen zu den Vorschlägen zur Definition von Geschäftsbetrieb in der ersten Hälfte des Jahres 2018 abzuschließen. Der Arbeitsplan des IASB sieht die Veröffentlichung einer finalen Änderung an IFRS 3 für das 2. Quartal 2018 vor.

Zielsetzung

Ziel des Projekts ist eine Anpassung bzw. Klarstellung abgegrenzter Sachverhalte in den Standards IFRS 3 und IFRS 11. Der in den Jahren 2004 und 2005 durchgeführte PiR zu IFRS 3 ergab unter anderem, dass die Anwendung der Definition von Geschäftsbetrieb (business) eine signifikante Herausforderung bei der Anwendung von IFRS 3 darstellt. Die Definition und Anwendungshinweise sollen daher überarbeitet werden.

Ferner hat der IASB Unterschiede in der Bilanzierungspraxis für zuvor gehaltene Anteile von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten von gemeinschaftlichen Tätigkeiten (joint operations) festgestellt, in denen das Unternehmen Beherrschung (control) oder gemeinschaftliche Beherrschung (joint control) über eine gemeinschaftliche Tätigkeit erlangt, welche die Definition eines Geschäftsbetriebs erfüllt. Dieser Sachverhalt soll ebenfalls durch eine Standardänderung klargestellt werden.

Inhalt

Zur Adressierung der offenen Fragestellungen hat der IASB den ED/2016/1 Definition of a Business and Accounting for Previously Held Interests (Proposed Amendments to IFRS 3 and IFRS 11) veröffentlicht, mit dem folgende Sachverhalte geregelt werden sollen:

  • Mit Hilfe der vorgeschlagenen zusätzlichen Anwendungshinweise soll bei der Anwendung von IFRS 3 künftig einfacher zwischen einem Geschäftsbetrieb und einer Gruppe von Vermögenswerten unterschieden werden, da aus dieser Differenzierung jeweils unterschiedliche Anforderungen an die Finanzberichterstattung resultieren.
  • Ferner soll vor dem Hintergrund einer einheitlichen Anwendung eine Klarstellung für die Bilanzierung zuvor gehaltener Anteile erfolgen, wenn ein Unternehmen Beherrschung oder gemeinschaftliche Beherrschung über einen Geschäftsbetrieb erlangt, der eine joint operation darstellt.

Da es sich bei IFRS 3 um ein gemeinsames Projekt von IASB und FASB handelt, sind die Vorschriften und neuen Vorschläge im Wesentlichen identisch.

Zugehörige Dokumente & Konsultationen

Titel Datum
IASB ED/2016/1 Definition of a Business and Accounting for Previously Held Interests
28.06.2016

Befassung durch den IFRS-Fachausschuss

Der IFRS-FA hat die Regelungen des ED/2016/1 in seinen Sitzungen erörtert und seine Stellungnahme an den IASB übermittelt.

Darin unterstützt der IFRS-FA das Vorhaben des IASB, zusätzliche Anwendungshinweise für die Definition von Geschäftsbetrieb bereitzustellen, ist jedoch der Ansicht, dass die vorgeschlagenen Änderungen nicht unbedingt dazu beitragen, leichter zu unterscheiden, ob ein Geschäftsbetrieb oder eine Gruppe von Vermögenswerten erworben wurde. Die Definition von input, process und output sei ebenfalls weiterhin unklar. Auch der vorgeschlagene screening test werfe aus Sicht des Fachausschusses eine Vielzahl von Fragen auf, insbesondere im Zusammenspiel mit den angegebenen Anwendungsbeispielen.

Die vorgeschlagenen Änderungen zur Bilanzierung zuvor gehaltener Anteile werden vom IFRS-FA befürwortet und führen aus Sicht des Fachausschusses zu einer einheitlichen Bilanzierung.

Zugehörige Veranstaltungen

  • 52. Sitzung IFRS-FA
  • 01.09.2016
  • 52. Sitzung IFRS-FA
  • 01.09.2016
  • IASB ED/2016/1 Definition of a Business and Accounting for Previously Held Interests

    Der IFRS-FA setzt seine Diskussion zum ED/2016/1 auf Basis seiner Stellungnahme­entwürfe an den IASB und an EFRAG fort. In den Stellungnahmen soll stärker betont werden, dass die vorgeschlagenen Änderungen nicht zweifelsfrei anwendbar sind, was insbesondere bei der Anwendung der Definition auf die Beispiele deutlich wird. Der IFRS-FA merkt an, dass kein einheitliches Verständnis über die Elemente input, process und output zu bestehen scheint, was jedoch Voraussetzung für die Anwendung der Definition ist. Ferner ist nach Ansicht des IFRS-FA im Hinblick auf den Screening-Test auf eine Vorgabe der Reihenfolge zu verzichten, da beide Bestandteile kumulativ zu erfüllen sind und das Ergebnis nicht von der Reihenfolge der Durchführung abhängt. Sollte dennoch an einer vorgeschriebenen Reihenfolge festgehalten werden, spricht sich der IFRS-FA zumindest für eine einheitliche Vorgabe nach IFRS und US GAAP aus. Der IFRS-FA wird die überarbeiteten Stellungnahmen im Umlaufverfahren verabschieden.

  • 51. Sitzung IFRS-FA
  • 28.07.2016
  • 51. Sitzung IFRS-FA
  • 28.07.2016
  • IASB ED/2016/1 Definition of a Business and Accounting for Previously Held Interests

    Der IFRS-FA diskutiert erstmals die mit ED/2016/1 vorgeschlagenen Änderungen an IFRS 3 und IFRS 11 betreffend die Definition eines Geschäftsbetriebs und die Bilanzierung zuvor gehaltener Anteile. Aus Sicht des IFRS-FA tragen die Vorschläge des IASB nicht dazu bei, Geschäftsbetriebe und Gruppen von Vermögenswerten zukünftig besser voneinander unterscheiden zu können. Die vorgeschlagenen Kriterien erscheinen insbesondere im Hinblick auf die im ED enthaltenen Beispiele unklar. Die vom IASB vorgeschlagenen Änderungen zur Klarstellung der Bilanzierung zuvor gehaltener Anteile erachtet der IFRS-FA dagegen als sachgerecht. Der IFRS-FA wird die Diskussion in der nächsten Sitzung auf Basis eines Stellungnahmeentwurfs fortsetzen.

Literaturhinweise

Autor/In Titel Datum
IDW IDW Stellungnahme zur Rechnungslegung: IFRS-Modulverlautbarung (IDW RS HFA 50) – Modul IFRS 3 – M2 IDW Fachnachrichten, 05/2018, S. 541 ff. 2018
IDW IDW Stellungnahme zur Rechnungslegung: IFRS-Modulverlautbarung (IDW RS HFA 50) – Modul IFRS 3 – M1 IDW Fachnachrichten, 05/2018, S. 539 f. 2018
Schild, Marc Sachgründung gemeinschaftlicher Tätigkeiten IRZ, 05/2018, S. 227 ff. 2018
Cappel, Wolfhard/ Hartmann, Philipp Die Goodwill-Entwicklung 2008-2016 der DAX30-Unternehmen Eine Analyse der bilanzpolitischen Spielräume KoR, 05/2018, S. 230 ff. 2018
Lachmann, Maik/ Stark, Sophia Die Fair-Value-Hierarchie als Möglichkeit zur Bilanzpolitik? Eine experimentelle Untersuchung unter Berücksichtigung der Unternehmensprofitabilität KoR, 05/2018, S. 216 ff. 2018