EFRAG DP „Bessere Informationen über immaterielle Werte – Welcher Weg ist der Beste?“

Aktueller Stand

EFRAG veröffentlichte am 27. August das Diskussionspapier “Bessere Informationen über immaterielle Werte – Welcher Weg ist der Beste?”(DP). Es erörtert mögliche Ansätze für eine bessere Berichterstattung über immaterielle Werte. Die Diskussionsbeiträge sollen EFRAG und IASB bei der Prüfung aktueller und künftiger Vorschläge zur Berichterstattung über immaterielle Werte unterstützen. EFRAG bittet um Rückmeldungen zum DP bis zum 30. Juni 2022.

Hintergrund

Die Konsultation zu EFRAG’s Forschungsagenda im Jahr 2018 wies der Befassung mit einer verbesserten Berichterstattung über immaterielle Werte eine hohe Gewichtung zu. Bekanntlich spielen selbst geschaffene immaterielle Werte eine wichtige Rolle für die Leistung eines Unternehmens, die sich in den Unternehmensabschlüssen nicht angemessen widergespiegelt. Diskrepanzen zwischen der Bilanzierung von erworbenen und selbst geschaffenen immateriellen Vermögenswerten geben Anlass zur Diskussion über die aktuelle Berichterstattungspraxis.

Inhalt

Das DP stellt drei verschiedene Ansätze zur Verbesserung der Informationen über immaterielle Werte sowie die damit verbundenen Vor- und Nachteile dar. Konkret diskutierten werden:

  • ein über IAS 38 hinausgehender Ansatz (einschließlich Bewertung) von immateriellen Werten in den primären Abschlussbestandteilen (Kapitel 3),
  • Angabepflichten zu spezifischen immateriellen Werten im Anhang oder im Lagebericht (Kapitel 4),
  • Informationen zu Aufwendungen, die sich auf die künftige Unternehmensleistung auswirken, sowie Informationen zu Risiko-und Chancenfaktoren im Anhang oder im Lagebericht (Kapitel 5).

Die Ansätze sind nicht zwingend substitutiv zu sehen, d.h. ihre Umsetzung kann auch komplementär erfolgen.

Das DP konzentriert sich auf Informationen im Rahmen der Finanzberichterstattung. Hierbei geht das Verständnis immaterieller Werte allerdings über die in der Finanzberichterstattung bestehende Definition von Vermögenswerten hinaus und umfasst auch immaterielle Komponenten eines möglichen wirtschaftlichen Nutzens, die nicht von einem Unternehmen kontrolliert werden. Insofern spricht das DP von Intangibles (immateriellen Werten) und nicht von Intangible Assets (immateriellen Vermögenswerten).

Verhältnis zur Nachhaltigkeitsberichterstattung

Chiara Del Prete, EFRAG TEG-Vorsitzende, betont in ihrer Presse-Erklärung zum DP, dass die die künftige Berichterstattung über immaterielle Werte und Wertschöpfung einen Schlüsselbereich für die Verbindung von Finanz- und Nachhaltigkeitsberichterstattung darstellt. Gleichwohl werden nachhaltigkeitsbezogene Informationen über immaterielle Werte im DP nur insofern berücksichtigt, als Sie für die primären Nutzer von Finanzberichten entscheidungsnützlich sind und als „pre-financial“ angesehen werden können (sog. outside-in-Perspektive bzw. finanzielle Wesentlichkeit). Die Verknüpfung mit der er sog. inside-out-Perspektive (auswirkungsbezogene Wesentlichkeit) möchte EFRAG in künftigen Diskussionen behandeln.

 

Aktivitäten des DRSC

Das DRSC plant, eine Stellungnahme zum DP abzugeben.

In Q1/2022 ist ferner eine Öffentliche Diskussion zum DP geplant. Diese soll über das DP hinaus auch weitere aktuelle Standardsetzungsinitiativen – insb. die künftigen CSRD-Vorgaben sowie das sich abzeichnende IASB Forschungsprojekt zu immateriellen Werten – thematisieren.

Zur eingehenden Erörterung einer verbesserten Abbildung immaterieller Werte sowohl im Kontext der Finanz- als auch der Nachhaltigkeitsberichterstattung wurde die erste integrierte Arbeitsgruppe des DRSC einberufen.

 

Zugehörige Veranstaltungen

  • 6. Sitzung FA Finanzberichterstattung
  • 12.05.2022
  • 6. Sitzung FA Finanzberichterstattung
  • 12.05.2022
  • 5. Sitzung FA Finanzberichterstattung
  • 28.04.2022
  • 5. Sitzung FA Finanzberichterstattung
  • 28.04.2022
  • 4. Sitzung FA Finanzberichterstattung
  • 18.03.2022
  • 4. Sitzung FA Finanzberichterstattung
  • 18.03.2022
  • EFRAG DP Better Information on Intangibles

    Der FA FB hat erstmals das EFRAG-Diskussionspapier erörtert. Zu diesem Zwecke wurde er zunächst über die Inhalte und Fragen des Papiers informiert. Des Weiteren wurde darüber berichtet, dass die DRSC-AG „Immaterielle Werte“ das DP bereits erörtert hat, und, welche ersten Erkenntnisse dabei gewonnen wurden.

    Eingangs wurde klargestellt, dass EFRAG das DP erarbeitet hat, ehe die Arbeiten der PTF-ESRS zur Nachhaltigkeitsberichterstattung aufgenommen wurden, und daher das DP primär einen bilanziellen bzw. rechnungslegungsbezogenen Fokus hat. Dies ist – angesichts der Überschneidungen zwischen den beiden Berichtsthemenfeldern – bei der Würdigung der Ideen im DP zu berücksichtigen.

    Als erster Aspekt wurde die Erfassung und Bewertung immaterieller Werte (IW) thematisiert. Es wurde geäußert, dass die bisherige Idee einer Erfassung und Bewertung eher auf den sachgerechten Erstansatz insb. für selbstgeschaffene IW abstellt. Insofern gibt es Vergleichbarkeitsprobleme, wenn derartige Werte sich fortentwickeln.

    Dazu wurde erstens angemerkt, dass das Kernproblem hierbei in der Unterscheidung und Abweichung zwischen Buchwert und Marktwert und dem diesbezüglichen (potenziellen) Lückenschluss besteht. Zu entscheiden wäre, ob ein geänderter Ansatz (inkl. sachgerechter Bewertung) oder zusätzliche Angaben als Lösung präferiert wird.

    Zweitens wurde angemerkt, dass vor allen Überlegungen zu klären ist, welche IW (d.h. welcher Anwendungsbereich) überhaupt betrachtet werden sollen. Hierzu wurde ergänzt, dass in der bisherigen Diskussion durch die AG nicht von einer fundamentalen Über- oder Neuerarbeitung der bisherigen IAS 38-Prinzipien ausgegangen wurde. Insofern bleibt der Fokus implizit auf dem Anwendungsbereich von IAS 38.

    Als zweiter Aspekt wurde die Frage thematisiert, ob – über Entwicklungskosten hinausgehend – zusätzliche Buchwertbestandteile für IW aktivierungsfähig werden sollen, was potenziell auch zum Ansatz zusätzlicher IW führt. Dazu wurde berichtet, dass die bisherige Diskussion (in der AG) eine Präferenz für den Status Quo von IAS 38 erkennen ließ und eine verbesserte Transparenz eher durch zusätzliche Angaben – also außerhalb des Bilanzansatzes – angestrebt werden sollte.

    Diesbezüglich wurden als erstes Forschungskosten angesprochen. Dazu wurde geäußert, dass bei Forschungskosten (die derzeit nicht aktivierbar sind) zu unterscheiden wäre, ob ein Projekt erfolgreich ist – also zu späteren Erträgen führt, denen die Forschungskosten gegenüberstünden – oder nicht. Davon abhängig sind ggf. unterschiedliche Ideen denkbar, wann Kosten ergebniswirksam sein sollen oder dürfen. Konkret wäre dann zu debattieren, wie derartige Kosten bei ihrer Entstehung erfasst (Aufwand vs. Aktivierung) und ob/wie diese später nach der Forschungsphase ggf. „recycelt“ werden sollten.

    Weitere Detailüberlegungen im FA hierzu führten umgehend zur – ewig neuen, und als unbeantwortet empfundenen – Folgefrage, welchen Zweck das OCI und folglich ein Ausweis im OCI erfüllt.

    Als dritter Aspekt wurde diskutiert, ob und warum eine potenzielle Fair-Value-Bewertung als (am ehesten) sachgerechter Bilanzansatz gelten könnte und welche Detailfragen – insb. zur Fair-Value-Ermittlung und dessen Fortschreibung – sich dann stellen. Insofern kann die Beurteilung einer Fair-Value-Bewertung i.S.e. Bewertungsansatzes nicht ohne tiefgehende Überlegungen zur konkreten Fair-Value-Ermittlung i.S.e. Bewertungsmethode erfolgen. Daraus wurde gefolgert, dass zwar naheliegend scheint, für IW die Fair-Value-Bewertung vorzuschlagen, jedoch diese nicht trivial und daher weniger naheliegend ist.

  • 107. Sitzung IFRS-FA
  • 28.10.2021
  • 107. Sitzung IFRS-FA
  • 28.10.2021
  • EFRAG DP Better Information on Intangibles

    Gegenstand des Tagesordnungspunktes bildete das am 27. August 2021 veröffentlichte EFRAG- Diskussionspapier „Bessere Informationen über immaterielle Werte – Welcher Weg ist der Beste?“ Der IFRS-FA befasste sich erstmals mit den Inhalten des Diskussionspapiers und erörterte die drei im Diskussionspapier dargestellten Ansätze zu einer verbesserten Unternehmensberichterstattung über immaterielle Werte: Ansatz und Bewertung in den primären Abschlussbestandteilen, Angaben zu spezifischen immateriellen Vermögenswerten sowie Informationen über zukunftsorientierte Aufwendungen und Risiko-/Chancenfaktoren im Anhang oder Lagebericht.

    Im Ergebnis der Erstbefassung befürwortete der IFRS-FA die Abgabe einer DRSC-Stellungnahme, dessen Federführung der künftige FA „Finanzberichterstattung“ übernehmen soll. Der neue FA „Nachhaltigkeitsberichterstattung“ soll über den Meinungsbildungsstand fortlaufend informiert und bei Bedarf in die Diskussion einbezogen werden.

    Weiterhin beschloss der IFRS-FA die Durchführung einer öffentlichen Diskussion im 1. Quartal 2022. Diese soll über das Diskussionspapier hinaus auch weitere aktuelle Standardsetzungsinitiativen – insb. die CSRD-Vorgaben (einschließlich ggf. weiterführender Arbeiten der EFRAG Project Task Force on European Sustainability Reporting Standards (PTF-ESRS) sowie das sich abzeichnende IASB Forschungsprojekt zu immateriellen Werten – thematisieren.

    Die DRSC-AG wurde vom IFRS-FA gebeten, einen Stellungnahmeentwurf zu erarbeiten und die erweiterte Berichterstattung zu immateriellen Werten im Hinblick auf deren Informationsmehrwert für die Adressaten – zunächst aus Finanzmarktsicht – eingehender zu betrachten. Die weitere Befassung im FA soll nach Vorliegen der Arbeitsergebnisse der AG Anfang des kommenden Jahres erfolgen.

Literaturhinweise

Autor/In Titel Datum
Behringer, Stefan/ Passardi, Marco/ Noto, Daniel Ausweis von Kryptowährungen nach den IFRS Bilanzierung dem Grunde und der Höhe nach IRZ, 05/2022, S. 225 ff. 2022
Richter, Frank Bilanzierung von „Software as a Service“ (SaaS)-Lösungen beim Anwender BC Zeitschrift für Bilanzierung, Rechnungswesen & Controlling, 03/2022, S. 111 ff. 2022
Schunk, Melanie/ Stollenwerk, Roman Softwarebilanzierung nach IFRS Herausforderungen bei der Ermittlung interner Entwicklungskosten IRZ, 03/2022, S. 113 ff. 2022
Müller, Stefan/ Scheid, Oliver/ Reinke, Jens Unternehmensberichterstattung über immaterielle Werte – Diskussionspapier der EFRAG vom August 2021 als möglicher Link zwischen Finanz- und Nachhaltigkeitsberichterstattung? IRZ, 02/2022, S. 85 ff. 2022
Freiberg, Jens Bilanzierung von Programmrechten Kompaktwissen PiR, 01/2022, S. 33 f. 2022